BMI berechnen: Formel, Tabelle und Bewertung für Erwachsene

Der Body Mass Index ist die weltweit verbreitetste Kennzahl zur Einordnung des Körpergewichts — und gleichzeitig eine der am häufigsten missverstandenen. BMI berechnen ist einfach: Gewicht in Kilogramm geteilt durch Körpergrösse in Metern zum Quadrat. Die Interpretation ist komplexer, denn der BMI sagt nichts über Körperfettverteilung, Muskelmasse oder Stoffwechselgesundheit aus. Trotzdem bleibt er das Standardkriterium für die Verschreibung von Abnehmmedikamenten und die Kostenübernahme durch Krankenkassen.

Wie lautet die BMI-Formel?

Die Formel zur Berechnung des BMI lautet: BMI = Körpergewicht (kg) ÷ Körpergrösse (m)². Eine Person mit 85 kg Körpergewicht und 1,75 m Grösse hat einen BMI von 85 ÷ (1,75 × 1,75) = 85 ÷ 3,0625 = 27,8. Die Berechnung gilt für Erwachsene ab 18 Jahren — für Kinder und Jugendliche werden alters- und geschlechtsspezifische Perzentilenkurven verwendet, da sich die Körperzusammensetzung während des Wachstums stark verändert.

Die BMI-Formel wurde 1832 vom belgischen Mathematiker Adolphe Quetelet entwickelt — nicht als medizinisches Werkzeug, sondern als statistische Kennzahl für Bevölkerungsstudien. Dass sie heute individuell zur Gewichtseinordnung verwendet wird, war nie vorgesehen und erklärt einige ihrer Schwächen. Die Formel berücksichtigt weder Geschlecht noch Alter, weder Knochenbau noch Muskelmasse. Eine Leistungssportlerin mit 75 kg und 1,65 m hat einen BMI von 27,5 (Übergewicht), obwohl ihr Körperfettanteil möglicherweise unter dem Durchschnitt liegt.

Für die Praxis bedeutet das: Der BMI ist ein Screening-Werkzeug, kein Diagnoseinstrument. Er identifiziert Personen, bei denen eine genauere Untersuchung sinnvoll ist — ersetzt aber keine ärztliche Beurteilung der tatsächlichen Körperzusammensetzung und Stoffwechselgesundheit.

BMI-Tabelle: Kategorien der Weltgesundheitsorganisation

Die WHO hat den BMI in Gewichtskategorien eingeteilt, die international als Standard gelten. Diese Einteilung basiert auf epidemiologischen Daten, die zeigen, ab welchem BMI das Risiko für gewichtsbedingte Erkrankungen statistisch ansteigt:

BMI (kg/m²) Kategorie Gesundheitsrisiko
Unter 18,5 Untergewicht Erhöht (Nährstoffmangel, Osteoporose)
18,5–24,9 Normalgewicht Durchschnittlich
25,0–29,9 Übergewicht (Präadipositas) Leicht erhöht
30,0–34,9 Adipositas Grad I Erhöht
35,0–39,9 Adipositas Grad II Stark erhöht
Ab 40,0 Adipositas Grad III (morbide Adipositas) Sehr stark erhöht

Die Schwellenwerte haben direkte Konsequenzen für die medizinische Versorgung in der Schweiz. Ab BMI 30 kann eine Abnehmspritze (Wegovy) verschrieben werden, ab BMI 27 nur mit mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung. Die Kostenübernahme durch die Grundversicherung orientiert sich an diesen Grenzwerten — ein BMI von 29,9 und 30,0 trennt manchmal den Selbstzahler vom Versicherten.

Die Tabelle gilt für Erwachsene europäischer Abstammung. Für Menschen asiatischer Herkunft empfiehlt die WHO niedrigere Schwellenwerte (Übergewicht ab BMI 23, Adipositas ab BMI 27,5), da das Risiko für Diabetes Typ 2 und kardiovaskuläre Erkrankungen in asiatischen Populationen bereits bei niedrigerem BMI ansteigt.

BMI berechnen Frau und Mann — gibt es Unterschiede?

Die BMI-Formel unterscheidet nicht zwischen Männern und Frauen — die Berechnung ist identisch. Dennoch gibt es biologische Unterschiede, die bei der Interpretation berücksichtigt werden sollten. Frauen haben im Durchschnitt einen höheren Körperfettanteil als Männer bei gleichem BMI: Bei einem BMI von 25 liegt der durchschnittliche Körperfettanteil bei Frauen bei etwa 30 Prozent, bei Männern bei etwa 20 Prozent. Diese Differenz ist hormonell bedingt — Östrogen fördert die Fetteinlagerung an Hüften, Oberschenkeln und Brust.

Gleichzeitig haben Männer im Durchschnitt mehr Muskelmasse, die schwerer ist als Fettgewebe bei gleichem Volumen. Ein Mann mit BMI 28 kann einen geringeren Körperfettanteil haben als eine Frau mit BMI 26. Der BMI erfasst diesen Unterschied nicht — er bewertet beide als übergewichtig, obwohl das metabolische Risiko unterschiedlich sein kann.

Für die praktische Anwendung bedeutet das: BMI berechnen liefert für Männer und Frauen denselben Zahlenwert, aber die gesundheitliche Bedeutung kann sich unterscheiden. Frauen mit einem BMI im oberen Normalbereich (23–25) und gynäkoidem Fettverteilungsmuster (Hüften/Oberschenkel) haben oft ein geringeres kardiovaskuläres Risiko als Männer mit dem gleichen BMI und abdominaler Fettverteilung. Der Bauchumfang — messbar mit einem Massband auf Nabelhöhe — ergänzt den BMI als Risikobewertung: Ab 94 cm bei Männern und 80 cm bei Frauen gilt das abdominale Fettrisiko als erhöht.

Warum reicht der BMI als Gesundheitsmass nicht aus?

Der BMI hat vier systematische Schwächen, die seine Aussagekraft als individuelles Gesundheitsmass begrenzen. Die erste ist die fehlende Unterscheidung zwischen Fett- und Muskelmasse: Bodybuilder, Leistungssportler und schwer körperlich Arbeitende können einen BMI im Adipositas-Bereich haben, ohne übermässiges Körperfett zu tragen. Die zweite ist die Nichtberücksichtigung der Fettverteilung: Viszerales Bauchfett (um die Organe) ist metabolisch deutlich gefährlicher als subkutanes Fett (unter der Haut) — zwei Personen mit identischem BMI können stark unterschiedliche Risikoprofile haben.

Die dritte Schwäche betrifft ältere Erwachsene: Mit zunehmendem Alter nimmt die Muskelmasse ab und der Fettanteil zu, selbst wenn das Gewicht gleich bleibt. Ein BMI von 24 bei einer 75-Jährigen kann einen höheren Körperfettanteil widerspiegeln als derselbe BMI bei einer 35-Jährigen. Manche Fachgesellschaften empfehlen daher für ältere Erwachsene angepasste BMI-Schwellenwerte (Normalgewicht bis BMI 27 statt 25).

Die vierte Schwäche ist das Paradoxon des metabolisch gesunden Übergewichts: Etwa 30 Prozent der Menschen mit BMI 25–30 haben normale Blutdruck-, Blutzucker- und Blutfettwerte — sie sind „metabolisch gesund“, obwohl der BMI sie als übergewichtig klassifiziert. Umgekehrt gibt es „metabolisch ungesunde Normalgewichtige” mit BMI unter 25, die bereits Insulinresistenz und erhöhte Entzündungswerte aufweisen.

Ergänzende Messgrössen liefern ein genaueres Bild:

  • Bauchumfang: Misst das abdominale Fett direkt — ein Wert über 94 cm (Männer) oder 80 cm (Frauen) deutet auf erhöhtes viszerales Fett hin, unabhängig vom BMI
  • Waist-to-Hip-Ratio: Das Verhältnis von Taillen- zu Hüftumfang zeigt die Fettverteilung an — Werte über 0,90 (Männer) oder 0,85 (Frauen) gelten als riskant
  • Bioelektrische Impedanzanalyse (BIA): Schätzt den Körperfettanteil über elektrischen Widerstand — genauer als der BMI, aber abhängig von Hydratationszustand und Gerätequalität
  • Diese Messwerte ersetzen den BMI nicht, sondern ergänzen ihn. In der klinischen Praxis verwenden Adipositas-Sprechstunden den BMI als Einstiegskriterium und bewerten dann die Gesamtsituation — einschliesslich Blutdruck, Blutzucker, Lipidprofil, Bauchumfang und individuellem Leidensdruck.

    BMI und Abnehmmedikamente — welche Schwellenwerte gelten in der Schweiz?

    Der BMI ist in der Schweiz das zentrale Kriterium für die Verschreibung und Erstattung von Adipositas-Medikamenten. Wegovy (Semaglutid 2,4 mg) kann ab BMI 30 verschrieben werden — oder ab BMI 27, wenn mindestens eine gewichtsbedingte Begleiterkrankung vorliegt (Diabetes Typ 2, Bluthochdruck, Schlafapnoe, nicht-alkoholische Fettleber, Dyslipidämie). Diese Schwellenwerte sind in der Limitatio des BAG (Bundesamt für Gesundheit) festgelegt und bestimmen, ob die Grundversicherung die Kosten übernimmt.

    Die Konsequenz: Ein BMI-Unterschied von 0,1 Punkten kann über Selbstfinanzierung oder Kassenleistung entscheiden. Wer mit BMI 29,8 zur Adipositas-Sprechstunde kommt, erfüllt die reine BMI-Vorgabe nicht — selbst wenn Blutdruck, Blutzucker und Leberwerte auf metabolische Probleme hindeuten. In solchen Fällen kann die Dokumentation einer Begleiterkrankung den Zugang zur Therapie ab BMI 27 ermöglichen. Die genaue Dokumentation der Diagnosen durch den behandelnden Arzt ist dabei ausschlaggebend für den Erfolg des Kostengutsprache-Antrags bei der Krankenkasse.

    Auch für die bariatrische Chirurgie (Magenbypass, Schlauchmagen) gelten BMI-basierte Schwellenwerte: Der Eingriff wird in der Schweiz ab BMI 35 von der Grundversicherung übernommen. Vor einer operativen Massnahme wird in der Regel eine medikamentöse Therapie mit GLP-1-Agonisten empfohlen — ein stufenweises Vorgehen, bei dem der BMI in jeder Phase als Entscheidungskriterium dient.

    Trotz aller Kritik am BMI bleibt er in der Schweizer Gesundheitsversorgung das standardisierte Werkzeug zur Gewichtsbewertung. Ärzte, Krankenkassen und Leitlinien sprechen dieselbe Sprache, wenn sie vom BMI reden — und genau das macht ihn trotz seiner Ungenauigkeiten unverzichtbar für die klinische Praxis und die Erstattungsentscheidung.