Zepbound enthält denselben Wirkstoff wie Mounjaro — Tirzepatid — und wird trotzdem als eigenständiges Medikament vermarktet. Der Grund liegt in der Zulassung: Während Mounjaro für Diabetes Typ 2 zugelassen ist, richtet sich Zepbound gezielt an Menschen mit Adipositas oder Übergewicht ohne Diabetes. Für die Schweiz stellt sich damit die Frage: Wann wird Zepbound hier verfügbar, wie unterscheidet es sich von Mounjaro in der Praxis, und lohnt sich das Warten auf die Zulassung?
Zepbound vs. Mounjaro — derselbe Wirkstoff, unterschiedliche Zulassung?
Tirzepatid ist in beiden Präparaten chemisch identisch. Dosierungen, Verabreichungsform (wöchentliche subkutane Injektion) und Wirkprofil stimmen überein. Der Unterschied ist regulatorischer Natur: Zulassungsbehörden verlangen für jede Indikation eigene klinische Studien und einen separaten Zulassungsantrag. Eli Lilly hat deshalb Mounjaro mit den SURPASS-Studien (Diabetes Typ 2) und Zepbound mit den SURMOUNT-Studien (Adipositas) eingereicht — zwei Markennamen für eine Substanz.
In der Praxis bedeutet diese Trennung vor allem Unterschiede bei der Kostenübernahme. Ein Medikament, das offiziell für Adipositas zugelassen ist, hat bessere Chancen auf Erstattung durch die Grundversicherung als ein Diabetes-Medikament, das off-label zum Abnehmen verschrieben wird. Für Betroffene in der Schweiz ist diese Unterscheidung relevant, weil der Off-Label-Einsatz von Mounjaro zur Gewichtsreduktion in der Regel nicht von der Grundversicherung gedeckt wird.
Die Dosierungen sind bei beiden Präparaten identisch: 2,5 mg als Startdosis, dann schrittweise Steigerung in Vier-Wochen-Intervallen bis maximal 15 mg. Auch die KwikPens — die vorgefüllten Injektionsstifte — sind baugleich. Wer bereits Mounjaro kennt, wird bei Zepbound keinen Unterschied in der Handhabung bemerken.
Zepbound Zulassung — wo ist das Medikament bereits verfügbar?
Die US-amerikanische FDA hat Zepbound im November 2023 zugelassen. Damit war die USA der erste Markt, auf dem Tirzepatid offiziell für die Behandlung von Adipositas (BMI ≥ 30) oder Übergewicht (BMI ≥ 27 mit mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung) erhältlich ist. Seitdem haben weitere Länder nachgezogen — die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat die Zulassung in der EU erteilt und Grossbritannien folgte über die MHRA.
Für die Schweiz liegt die Zuständigkeit bei Swissmedic. Der Zulassungsprozess bei Swissmedic verläuft unabhängig von FDA und EMA und umfasst eine eigene Nutzenbewertung. Stand 2025 ist Zepbound in der Schweiz noch nicht zugelassen — Mounjaro (Tirzepatid für Diabetes Typ 2) hingegen ist seit 2023 erhältlich. Der Zeitpunkt der Schweizer Zepbound-Zulassung hängt davon ab, wann Eli Lilly den Antrag bei Swissmedic eingereicht hat und wie lange die Begutachtung dauert. Erfahrungsgemäss vergehen zwischen EMA-Zulassung und Swissmedic-Entscheid 6 bis 18 Monate.
Bis zur Zulassung haben Schweizer Ärztinnen und Ärzte zwei Möglichkeiten: die Off-Label-Verschreibung von Mounjaro zur Gewichtsreduktion (ohne Garantie auf Kostenübernahme) oder den Einsatz bereits zugelassener Alternativen wie Wegovy (Semaglutid 2,4 mg).
Tirzepatid zum Abnehmen — Studienergebnisse der SURMOUNT-Reihe
Die Zulassung von Zepbound basiert auf dem SURMOUNT-Studienprogramm, das die Wirksamkeit von Tirzepatid speziell bei Menschen ohne Diabetes untersuchte. Die Ergebnisse gehören zu den beeindruckendsten, die in der medikamentösen Adipositas-Therapie je gemessen wurden.
In SURMOUNT-1 (2539 Teilnehmende, 72 Wochen) erreichten Behandelte unter der Höchstdosis von 15 mg einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von 22,5 Prozent — das sind bei einem Ausgangsgewicht von 105 kg rund 24 Kilogramm. Zum Vergleich: Semaglutid 2,4 mg erzielte in der STEP-1-Studie 14,9 Prozent. SURMOUNT-3 kombinierte Tirzepatid mit einer vorangehenden Lebensstilintervention und erreichte sogar 26,6 Prozent Gewichtsverlust.
Diese Daten zeigen, dass Tirzepatid die Lücke zwischen medikamentöser Therapie und bariatrischer Chirurgie verkleinert. Ein Magenbypass erzielt typischerweise 25 bis 35 Prozent Gewichtsverlust — Tirzepatid in der Höchstdosis liegt am unteren Rand dieses Bereichs, allerdings ohne chirurgischen Eingriff und die damit verbundenen Risiken.
Neben dem Gewichtsverlust verbesserten sich in den SURMOUNT-Studien auch metabolische Parameter:
Diese metabolischen Verbesserungen treten zusätzlich zum Gewichtsverlust auf und sind kein blosser Nebeneffekt der Gewichtsreduktion — Tirzepatid wirkt direkt auf die betroffenen Stoffwechselwege.
Nebenwirkungen von Zepbound — gibt es Unterschiede zu Mounjaro?
Da Zepbound und Mounjaro denselben Wirkstoff in identischer Dosierung enthalten, ist das Nebenwirkungsprofil vergleichbar. Die häufigsten unerwünschten Wirkungen betreffen den Magen-Darm-Trakt: Übelkeit (bis zu 33 Prozent in der Aufdosierungsphase), Durchfall (bis zu 23 Prozent), Verstopfung (bis zu 11 Prozent) und Erbrechen (bis zu 9 Prozent). Diese Symptome treten vor allem in den ersten Wochen nach einer Dosiserhöhung auf und lassen mit der Zeit nach.
Ein Unterschied ergibt sich aus der Studienpopulation: Die SURMOUNT-Studien (Zepbound) schlossen vorwiegend Menschen ohne Diabetes ein, während die SURPASS-Studien (Mounjaro) Diabetiker untersuchten. Bei Nicht-Diabetikern fiel die Rate schwerer Hypoglykämien (Unterzuckerungen) erwartungsgemäss sehr niedrig aus — unter 0,1 Prozent. Bei Diabetikern, die gleichzeitig Sulfonylharnstoffe oder Insulin einnehmen, liegt dieses Risiko höher.
Wann sollte die Behandlung mit Zepbound abgebrochen werden?
Wie bei allen GLP-1-basierten Therapien gibt es Warnsignale, die einen sofortigen Behandlungsstopp erfordern. Starke, anhaltende Bauchschmerzen im Oberbauch — insbesondere wenn sie in den Rücken ausstrahlen — können auf eine Pankreatitis hindeuten. Auch allergische Reaktionen (Schwellung im Gesichtsbereich, Atemnot, Hautausschlag) erfordern das sofortige Absetzen. Beide Komplikationen sind selten (unter 1 Prozent), aber ernst.
Kontraindiziert ist Tirzepatid bei Personen mit persönlicher oder familiärer Vorgeschichte eines medullären Schilddrüsenkarzinoms (MTC) oder einer multiplen endokrinen Neoplasie Typ 2 (MEN2). Schwangere und Stillende sollten Zepbound ebenfalls nicht anwenden — die Fachinformation empfiehlt, Tirzepatid mindestens zwei Monate vor einer geplanten Schwangerschaft abzusetzen.
Zepbound oder Wegovy — welches Adipositas-Medikament ist die bessere Wahl?
Bis Zepbound in der Schweiz zugelassen wird, bleibt Wegovy (Semaglutid 2,4 mg) die einzige Abnehmspritze mit offizieller Adipositas-Indikation. Beide Medikamente zielen auf ähnliche Patientengruppen, unterscheiden sich aber in Wirkmechanismus und Studienergebnissen.
Wegovy aktiviert ausschliesslich den GLP-1-Rezeptor. Zepbound stimuliert zusätzlich den GIP-Rezeptor — dieser duale Wirkmechanismus erklärt den höheren durchschnittlichen Gewichtsverlust in den Kopf-an-Kopf-Vergleichen. In der SURMOUNT-1-Studie lag Tirzepatid bei 22,5 Prozent (15 mg), in der STEP-1-Studie lag Semaglutid bei 14,9 Prozent (2,4 mg). Allerdings wurden diese Studien nicht direkt miteinander verglichen — die Teilnehmenden, Einschlusskriterien und Begleitinterventionen unterschieden sich.
Neben der Wirksamkeit spielen Verfügbarkeit, Preis und Versicherungsstatus eine Rolle. Wegovy ist in der Schweiz zugelassen und bei einem BMI ab 28 mit einer Komorbidität oder ab 30 verschreibbar. Die monatlichen Kosten liegen bei etwa 250 bis 320 CHF. Für Zepbound existieren in der Schweiz noch keine offiziellen Preise — in den USA liegt der Listenpreis bei rund 1000 USD pro Monat, vergleichbar mit Wegovy auf dem US-Markt. Ob und wann die Schweizer Grundversicherung Zepbound erstatten wird, hängt von der Zulassung und der anschliessenden Preisverhandlung mit dem BAG ab.
